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70. Todestag von Christoph Probst

Vor 70 Jahren, am 22. Februar 1943, wurden die Hauptakteure der Widerstandsgruppe "Weiße Rose", die Geschwister Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst, von den
Nationalsozialisten hingerichtet. In Innsbruck, wo Probst Medizin studierte, festigte sich seine aus tiefem christlichen Glauben gespeiste Überzeugung, gegen die totalitäre NS-Herrschaft aus Gewissenspflicht aktiv Widerstand zu leisten. Seit 1984 erinnert eine Gedenktafel am Ehrenmal vor dem Innsbrucker Uni-Hauptgebäude an das mit 23 Jahren ermordete Mitglied der "Weißen Rose".

Die Kindheit des am 6. November 1919 in Murnau (Oberbayern) geborenen Christoph Probst lässt zunächst keine direkten Schlüsse auf seine spätere tiefreligiöse Gesinnung als Quelle seines Widerstandsgeistes zu. Der ungetaufte Probst musste die frühe
Scheidung der Eltern erleben, das Zerbrechen auch der zweiten Familie, schließlich den Selbstmord seines Vaters und die in den folgenden Jahren immer neuen Umzüge und Schulwechsel.

In München lernte der frische Medizinstudent die Geschwister Scholl und weitere Mitstreiter der Studentengruppe "Weiße Rose" kennen. Unter Lebensgefahr verteilten sie Flugblätter, in denen die menschenverachtende Ideologie und der dem Totalitarismus systemimmanente Terror des NS-Regimes - beides von der "Weißen Rose" in hellsichtiger Klarheit gesehen - verurteilt wird.

So heißt es im ersten Flugblatt der christlich motivierten Widerstandsgruppe: "Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenden Herrscherclique regieren zu lassen (...) Leistet passiven Widerstand - Widerstand, wo immer ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist, ehe die letzten Städte ein Trümmerhaufen sind". Das fünfte Flugblatt der "Weißen Rose" mit einem "Aufruf an alle Deutsche!" wurde Ende Jänner 1943 mittels Kurierfahrten auch in einigen österreichischen Städten verteilt.

Durch die Lektüre religiöser Denker wie Augustinus, Kierkegaard, Paul Claudel, John Henry Newman oder Reinhold Schneider erwarb sich Christoph Probst sein christliches Glaubensfundament. Im Herbst 1942 kam der 23-jährige Medizinstudent und Aktivist der "Weißen Rose" nach Innsbruck zum Studieren. Unmittelbar nachdem seine Frau das dritte Kind geboren hatte, wurde Probst am 19. Februar 1943 in Innsbruck verhaftet. Er wurde als Verfasser des siebten Flugblatts der "Weißen Rose" identifiziert.

Taufe unmittelbar vor Hinrichtung

Nach einem Schauprozess wurde Probst am 22. Februar 1943 in München zusammen mit Sophie und Hans Scholl von den Nationalsozialisten hingerichtet. Zuvor hatte er sich noch in der Gefängniszelle katholisch taufen lassen. In seinem Abschiedsbrief an die Mutter schrieb er in der Todeszelle: "Ich danke Dir, dass Du mir das Leben gegeben hast. Wenn ich es recht bedenke, so war es ein einziger Weg zu Gott (...) Eben erfahre ich, dass ich nur noch eine Stunde Zeit habe. Ich werde jetzt die heilige Taufe und die heilige Kommunion empfangen."

Ein halbes Jahr zuvor schrieb er einen Brief an seinen Bruder, in dem zu lesen ist: "Auch im schlimmsten Wirrwarr kommt es darauf an, dass der Einzelne zu seinem Lebensziele kommt, zu seinem Heil kommt, welches nicht in einem äußeren 'Erreichen' gegeben sein kann, sondern nur in der inneren Vollendung seiner Person. Denn das Leben fängt ja nicht mit der Geburt an und endigt im Tod. So ist ja auch das Leben, als die große Aufgabe der Mensch-Werdung, eine Vorbereitung für ein Dasein in anderer neuer Form."

Sophie Scholl, die große Mitstreiterin von Christoph Probst gegen die Barbarei des Nationalsozialismus, schrieb einst, das Wesen des Gedenkens und Erinnerns liege darin, "steter Stachel gegen die Gleichgültigkeit" zu sein.
(KATHPRESS)

Christoph Probst (rechts) mit den Geschwistern Scholl.